Oben "Leicht", unten "Fest" !


Als Grenzlinie zwischen „oben und „unten“ wird die Nabelhöhe angenommen. Während des Übens soll der Körper oberhalb des Nabels als leicht („leer“) empfunden werden, unterhalb dagegen als fest und solide („voll“). Man spricht auch von „leichtem Brustkorb“ und „festem, solidem Bauch“. Was heißt „leer“ bzw. „leicht“?

Wenn eine Tasse Wasser enthält, so läßt es sich leicht umrühren, enthält die Tasse dagegen Lehm so rührt es sich schwer. Akupressurmatten In einer Türangel muß immer Platz (Leere) sein, dann läßt sich die Tür leicht bewegen. In diesem Sinne soll im oberen Teil des Körpers (Brustkorb und Kopf) das Gefühl der Leere, Leichtigkeit und inneren Beweglichkeit herrschen. Im unteren Teil des Körpers (Bauch und untere Extremitäten soll dagegen das Gefühl von Festigkeit und Kraft vorherrschen.


Die obere Leichtigkeit beruht auf der unteren Stabilität. Deshalb wird in den Übungen der Entwicklung der unteren Stabilität, dem festen Fundament, große Aufmerksamkeit gewidmet. Es gibt zahlreiche Übungselemente, die diesem Ziel dienen: das Bewahren der Vorstellungskraft im mittleren Dantian, die Vorstellung einer festen Verwurzelung mit der Erde, die Übung des „Inneren Schließens des Beckens“, die Körperhaltung mit lockerem gesenktem Becken mit nach unten gerichteter Gesäßkraft und die allgemein gültige Verteilung der Vorstellungskräfte (unten 70%, oben 30%).


Dieses besagt, daß alle nach unten gerichteten Kräfte eine größere Bedeutung haben als die nach oben gerichteten.


Man braucht während der Übung nicht an die obere Leichtigkeit zu denken, sie ergibt sich von selbst, sobald die untere Stabilität verwirklicht wird. Sowohl bei Übungen in Bewegung als auch bei Übungen in Ruhe gilt es, das Prinzip der unteren Festigkeit zu praktizieren.

Die große Bedeutung von oberer Leichtigkeit und unterer Festigkeit wird sehr klar, wenn wir die Auswirkung des gegenteiligen Zustandes, nämlich der „Oberen Fülle“ und „Unteren Leere“ betrachten: Symptome und Mißempfindungen bei „Oberer Fülle“ sind: Schwerer Kopf, schlechtes Gedächtnis, schlechtes Einschlafen, Erwachen mit bleierner Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Kopfdruck, Schwindel, Gefühl von verstopften und zugeschwollenen Ohren, innere Unruhe, Nervosität, schweres Atemgefühl, leichte Erregbarkeit, Neigung zu Ärger und Zornausbrüchen, Migräne sowie Druckgefühl um den Kopf.


Die mit der „Oberen Fülle“ einhergehende „Untere Leere“ ist gekennzeichnet durch unsicheren Gang, instabilen Stand, Beschwerden und Schmerzen sowie Schwächegefühl im Kreuz-Lenden Bereich, und Beschwerden in den Knien und Beinen.

Übt man ausdauernd nach dem Prinzip oben „leicht“ und unten „fest“, so beugt man den vielfältigen genannten Beschwerden, die besonders im höheren Lebensalter vorkommen, vor, und kommt in den Genuß vieler angenehmer Empfindungen: beim Aufstehen fühlt man sich erfrischt wie nach einem erholsamen Urlaub, das Reaktionsvermögen ist gut, der Kopf ist klar, Ohren und Augen funktionieren gut , die Atmung ist frei, man fühlt sich voller Lebensenergie und hat ein festes Fundament.