Daojia - Der Daoismus

Die Philosophie das Taijiquan basiert auf den Vorstellungen und Erkenntnissen des Daoismus. Wenn auch viele andere Strömungen in es eingegangen sind, so bleibt Taijiquan doch eine durch und durch daoistische Kunst.

Der Daoismus ist eine sehr alte Richtung der Philosophie und Lebensart, die sich in erster Linie an der Natur orientiert. Oft wird der Daoismus zwar mit einer Religion gleichgesetzt, in erster Linie bleibt er aber eine Lebensphilosophie für wenige.

Erst mit der Zeit hat er im Volk gewisse religiöse Färbungen angenommen. Der alte und "wahre" Daoismus aber war schon immer eine Strömung, die nur in kleinen Kreisen verbreitet war, und der breiten Masse unverständlich und geheimnisvoll blieb.

Der Daoismus ist kein einheitliches Gebilde, sondern eine vielfältige Sammlung unterschiedlicher Strömungen und Denkweisen. Das macht es sehr schwierig, ihn kurz zu charakterisieren.

Man unterteilt ihn grob in zwei Richtungen: den philosophischen Daoismus ("Daojia") und den volkstümlichen ("Daojiao").

Diese beiden Richtungen sind nicht immer deutlich zu unterscheiden, ihre Übergänge sind oft fließend und verwischt. Der philosophische Daoismus war unter der geistigen Elite Chinas und den "Aussteigern" aus den strengen gesellschaftlichen Regeln verbreitet.

Sie gehörten meist zu den Spitzen der Gesellschaft, die sich aber mehr oder weniger von der traditionellen Lebensart abwandten und ein Leben in völliger Freiheit und Unabhängigkeit von den üblichen Konventionen führten.

Der religiöse Daoismus dagegen entwickelte sich im einfachen Volk. Dort vermischten sich ältere Naturvorstellungen, mit Legenden und oft irrtümlichen Vorstellungen von den Daoisten.

Im Grunde widerspricht diese Strömung dem philosophischen Daoismus, wie man ihn z.B. von Laotse kennt, und entwickelte sich schon früh zu einer Religion, in der Mystik, überschwenglicher Ritus, Zeremonie und Geisterglauben die Menschen beeindrucken sollte. Zur Unterscheidung wird er meist als Daojiao, "Die Lehre vom Dao", bezeichnet.

Daojia, der "philosophische Daoismus", ist eine Lebensart und eine Wissenschaft, die nur von wenigen praktiziert wurde. Hier geht es um philosophische Betrachtungen und der Forschung nach dem Sinn des Lebens und nach den Regeln der Natur und des ganzen Universums. Ein besonderes Kennzeichen ist die Loslösung von den in China gängigen Gesellschaftsnormen.

Doch in der Realität sind nur wenige den Weg des extremen Daoismus gegangen, der früher oder später im Einsiedlertum endete.

Die meisten Anhänger lebten einen gemäßigten Daoismus, der sich mit den konfuzianischen Konventionen durchaus aussöhnte und arrangierte. Für jeden der innerhalb der Gesellschaft lebte, war das auch überlebensnotwendig.

Gerade durch diese relativ flexible Haltung anderen Denkweisen gegenüber, sind die Künste und die Wissenschaften besonders bereichert worden.

Überhaupt zeichnet sich der Daoismus in erster Linie durch seine Toleranz aus und hat sicher nicht wenig dazu beigetragen, daß in China religiöse Verfolgung und Zwang nahezu unbekannt sind.

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