Das Taijiquan ist "Ruhe in der Bewegung"
oder "Bewegung in der Ruhe". Die Bewegungen werden zwar langsam, aber bestimmt und großzügig ausgeführt, während der Geist so ruhig und gelassen bleibt, wie am Anfang, dem Wuji.
Das Taijiquan ist als eine Meditationsform zu verstehen. Nur in der Kombination mit der Meditationshaltung des Geistes ist die Form (Lu) vollständig.
Und doch sind die Bewegungen kompliziert und dürfen nicht vernachlässigt werden. Meditation (Yin) und Bewegung (Yang) stehen gleichberechtigt nebeneinander, eines ohne das andere ist unvollständig.
Außen haben wir die unendliche Bewegung, und Innen die statische, unveränderliche Ruhe. Bewegung bezeichnet nicht nur die Bewegung eines einzelnen Körperteils, sondern meint immer die Ganzkörperbewegung. An jeder einfachen Bewegung ist der ganze Körper beteiligt.
Die Energie für die Bewegung kommt aus dem Dantian, aus dem Boden und aus der Luft. zusammen verursacht sie den Bewegungsimpuls in der Hüfte, der sich von dort gleichmäßig nach unten, bis in die Füße, und nach oben, bis in die Fingerspitzen, fortpflanzt. Anfangs- und Endhaltung der Lu (Form) symbolisieren Wuji, das undifferenzierte Dao, den Ursprung und den Endpunkt.
Die Bewegungen dazwischen zeigen die ewige und beständige Wandlung aller Dinge. Die beiden Wuji-Haltungen Anfang und am Ende der Form schließen symbolisch den Kreislauf des Lebens und des Dao.
Den ständigen Wechsel zwischen Yin und Yang, die Bewegungen zwischen den Wuji-Haltungen, nennt man Taiji. Wuji stellt das undifferenzierte Dao dar, während Taiji das differenzierte, das wandelbare Dao ist. Taiji ist ein gleichmäßiger, endloser Strom.
Alle Dinge sind dem Wandel, dem Taiji unterworfen, doch der Wandel vollzieht sich nach bestimmten Regeln und die Abschnitte wiederholen sich in bestimmten Rhythmen. Das Taiji ist der Urgrund der schöpferischen Kraft des Dao und faßt so unter einem Begriff die ganze Breite von Yin und Yang zusammen.
Dem Taiji werden traditionell vier Qualitäten zugeschrieben: seine Form ist vollkommen rund in der Ruhe; seine Masse ist das seitenwechselnde Gleichgewicht, was in der Ruhe Bewegung ergibt; seine Eigenschaft ist innen hart und außen weich, was in der Bewegung Ruhe erzeugt; seine Fähigkeit ist entwickelnd, vor allem in der Bewegung.
Die Form (Lu), die das Taiji nachvollziehen soll, symbolisiert damit unser Leben und das aller Dinge auf der Erde. Nach der Geburt (dem Anfang aus dem Wuji, dem Nichts) sind wird dem Wechsel unterworfen.
Ständig verkehrt sich ein Ding oder ein Zustand in sein Gegenteil, wechselt also von Yin zu Yang und umgekehrt. Die ständige Veränderung endet erst mit dem Tod (das Ende, ebenfalls Wuji, das Nichts).
So bilden das Leben und die Taijiquan-Form einen Kreis, der angefüllt ist mit ununterbrochenen Bewegung. Auch das Taiji kennt keine Pause und keinen Stop in seinem Wirken.
Taiji ist immer die Veränderung gemäß dem Dao, es ist nie künstlich, unnatürlich und verfolgt keinen Zweck. Die Bewegung geschieht um der Bewegung Willen. Alle übersteigerte Mühe, Anspannung und starker Willen erreichen nie eine Bewegung, die der des Taiji ähnelt.
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