Yang Lu Chan´s Taijiquan


Das Yang-Taijiquan, das Yang Lu Chan unterrichtete, unterscheidet sich von den heutigen Stilen. Es wird allgemein als Laojia (Lao Yang Jia Taijiquan), "Alter Stil", bezeichnet. Heute kennt man ihn unter der Bezeichnung Dajia, "Großer Stil". Die Bewegungen waren weit und geräumig. Yang vereinfachte aber auch diesen Stil so, daß er ihn leicht an Unerfahrene unterrichten konnte.

Diesen vereinfachten Stil lehrte er auch am Kaiserhof. Seine besten Schüler aus den Reihen der adeligen Mandschu waren Quan You, der später seinen eigenen Stil gründete (Wu), Wan Chun und Ling Shan. Den alten Yang-Stil gab er an Yang Jian Hou weiter.

Er unterrichtete Zhang Qin Ling, der das Gelernte dann an Wang Yan Nian weitergab. Yang Ban Hou und Yang Cheng Fu haben ausschließlich die neuere vereinfachte Version unterrichtet. Vermutlich kannten sie aber auch die von Lu Chan ursprünglich gegründete Version. Da die ursprüngliche Version so schwierig zu erlernen war, veränderte er sie so, daß sie für jeden einfach nachzuahmen war.

Diese Form nannte man damals "Kleine Form". Lu Chans Taijiquan mußte damals noch sehr stärke Ähnlichkeit mit dem alten Chen-Taijiquan gehabt haben.

Aber durch die "Kleine Form" wurde der erste Schritt in Richtung des heute bekannten Yang-Stils gemacht, der durch Yang Cheng Fu noch stärker verändert wurde. Vermutlich wurde diese Form von Yang Lu Chan als eine Form der Selektion eingesetzt. Früher war es in den Kampfkünsten nicht unbedingt üblich, mit Geld einen Kampfkunst-Lehrer zum Unterricht zu verpflichten.

Die Schüler mußten oft jahrelang um diese Gunst werben, hauptsächlich, indem sie täglich schwere Arbeiten für ihren Lehrer verrichteten und verschiedenen Loyalitäts-Tests unterzogen wurden. Erst als der Meister seinen Schüler für Wert genug empfand, begann er mit dem Unterricht.

Der Schüler wurde vorher auf seinen Charakter, seine Treue, Hingabe und Disziplin geprüft. So verhinderte der Meister, unverantwortliche Schüler auszubilden, die ihn und seine Kampfkunst nicht hoch genug schätzten. Doch zu Lu Chan´s Zeiten wurde das öffentliche Unterrichten gerade populär.

Die alten Werte mußten weichen. Und doch bürgerten sich bei den Meistern neue Auswahlverfahren ein. So unterrichteten viele Meister, speziell für die Masse entwickelte Formen und Techniken, gaben aber die wahren Stil-Geheimnisse nur an ausgewählte Schüler weiter.

So wurden Schlüsselbewegungen verändert, Anwendungen falsch unterrichtet und absichtlich falsche Schwerpunkte gelegt. Nur eine kleine Auswahl von Fortgeschrittenen, die sich über Jahre hinweg als besonders treu und zuverlässig erwiesen hatten, wurden in die wahre Kampfkunst eingeweiht.

Ähnliche Vorgehensweise läßt sich auch im Yang-Stil vermuten. Das führte zu den Legenden über die "Geheimnisse" des Taijiquan, die zu übernatürlichen Fähigkeiten verhelfen sollten, wenn sie gefunden werden.

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