Chen-Taijiquan Xiaojia


Chen You Ben (14. Generation) reformierte den alten Chen-Stil, indem er die Formen kürzte und Techniken veränderte oder wegließ. Sein neuer Stil wurde zuerst als Xinjia ("Neuer Stil") bezeichnet, um ihn von dem Laojia zu unterscheiden, heute ist er in Chenjiagou als Xiaojia ("Kleiner Stil") bekannt.




Chen Fa Ke und Chen-Taijiquan Xinjia


Chen Fa Ke (1887 - 1957, auch Chen Ke Fa), der Sohn von Chen Yan Xi und Enkel von Chen Chang Xing, unterrichtete seit 1928 das Chen-Taijiquan öffentlich in Beijing (Peking).

Fa Ke, mit dem Ehrennamen Fu Sheng war in ganz China bekannt und besiegte zahlreiche Gegner. Er unterrichtete einen Bewegungsablauf (Lu) mit 83 Bewegungen.

Er war wohl einer der populärsten Vertreter der Chen-Familie und war bei seinen Schülern, sowie bei den anderen Kampfkunst-Meistern äußerst beliebt. Er war das jüngste Kind in seiner Familie. Sein Vater, der auch Lehrer von Yuan Shi Kai´s Haushalt war, war bei seiner Geburt schon 60 Jahre alt.

Seine beiden älteren Brüder sind schon früh an einer Epedemie gestorben und so kam es, daß Fa Ke sehr verwöhnt wurde. Als Kind war er sehr bequem und schwächlich, er übte selten und wurde von seinem Vater nicht zum Training gezwungen. Sein etwas älterer Cousin dagegen war bekannt für sein Talent, seine Stärke und seine Geschicklichkeit, die er schon im Taijiquan erreicht hatte.

Als Fa Ke etwa 14 Jahre alt war, lachte das ganze Dorf über ihn, wegen seinen Charaktereigenschaften. Er bemerkte, daß er seinem Vater, der das Familienoberhaupt und ein geschätzter Kämpfer war, Schande machte und schämte sich sehr. Da nahm er sich vor, seinen Cousin in seinen Fähigkeiten zu übertreffen. Doch er brauchte dafür viel Zeit, und erst als er verstand, daß nur harte und beständige Übung zum Erfolg führt, machte er Fortschritte.

Seit dieser Zeit übte er härter und öfter, als jeder andere der Schüler. Als sein Vater schon drei Jahre nicht mehr im Dorf war, gelang es Fa Ke seinen Cousin im Zweikampf zu besiegen.

1907, im Alter von 20 Jahren nahm er an einem Turnier in Wenxiang teil und gewann viele Ehren. Erzählungen über seine Fähigkeiten erreichten so den General Han Fu Ju, der ihn als Kampfkunst-Lehrer einstellen wollte.

Fa Ke lehnte aber ab und ärgerte den General damit so, daß dieser einem seiner Angestellten befahl, Fa Ke mit dem Speer anzugreifen. Er entwaffnete den Angreifer aber mühelos und richtete die Kraft gegen ihn.

1928 ging er nach Peking zu seinem Neffen Chen Zhao Pei und etablierte durch verschiedene Kämpfe mit bekannten Vertretern der Kampfkünste dort das Chen-Taijiquan.


Er übte bis zu seinem Tod mit großer Härte und Disziplin und erzog auch seine Schüler in diesem Sinne, er sagte ihnen immer wieder, daß die konsequente und ernsthafte Übung wichtiger sei, als Talent und Geschicklichkeit. Über ihn ist eine interessante Geschichte bekannt, die von einem Wettkampf im Wushu handelt, den Xu Yu Shen, der Leiter des Beijinger Wushu Zentrums und ein späterer Schüler von Fa Ke, organisierte.

Er bat Fa Ke, als Schiedsrichter bei dem Wettkampf zu fungieren, doch der lehnte ab, da er seiner Meinung nach nichts von Wushu verstehe. Nach einiger Zeit ging er dann doch darauf ein, wenigstens als Assistent mitzuwirken. Vor den Kämpfen entwickelte sich eine Diskussion, als jemand vorschlug, die Dauer der einzelnen Kämpfe auf 15 Minuten zu beschränken.

Um Zeit zu sparen, schlug Fa Ke vor, die Zeit auf 3 Minuten zu begrenzen und später meinte er noch, er würde auch ausreichen, langsam bis drei zu zählen.

Einer der Wushu-Kämpfer namens Li Juan-Hua meinte, Fa Ke mache sich über ihn lustig und forderte ihn sogleich auf, einem Kampf mit ihm in dieser Zeit auszutragen.

Li machte die erste Bewegung und Fa Ke wehrte ihn ab und schleuderte ihn mit einer einzigen Bewegung gegen die Wand. Li fiel zu Boden und ein zerbrochenes Bild und Putz rieselten auf ihn herunter, doch er war nicht ernsthaft verletzt. Chen Fa Ke akzeptierte mehr als 200 Herausforderungen und verlor nie einen Kampf.

Fa Ke hatte Tausende von Schülern und verbreitete das Chen-Taijiquan stark in ganz China. Zu seinen bekanntesten Schülern gehören: Chen Zhou Xu (sein erster Sohn),Chen Zhao Kui (sein zweiter Sohn), Chen Zhao Pei, Feng Zhi Qiang, Gu Liu Xin, Liu Rui Zhi, Tang Hao, Li Jing Wu, Li Mu Nin, Hong Jun Sheng und Tian Xiu Chen.