Zhang San Feng


In vielen Legenden wird ein Mönch namens Zhang San Feng als der Begründer des Taijiquan genannt. Zhangs Lebensdaten sind nicht mehr genau festzustellen, es wird vermutet, daß er vom Ende der südlichen Song-Dynastie (1127 - 1279) bis zum Anfang der Ming-Dynastie (1368 - 1644) lebte.

Manche Autoren vermuten 1247 als sein Geburtsjahr. Manche Schriften behaupten, er hätte annähernd 400 Jahre gelebt.

Heute nimmt man an, daß vielleicht mehrere Personen unter dem Synonym Zheng San Feng zusammengefaßt wurden. Zhang der Sohn eines chinesischen Beamten und erhielt eine klassische Ausbildung.

Schon mit 13 Jahren bestand er die kaiserlichen Beamten-Examen.

Für kurze Zeit war er Magister im Distrikt Zhongshan, was er aber bald aufgab, um sich seinen persönlichen Studien zu widmen. Er wurde auch über 10 Jahre im buddhistischen Shaolin-Kloster in den Kampfkünsten ausgebildet.

Das Shaolin-Kloster galt damals als eine Stätte der höchsten Bildung und als Hochburg der Kampfkünste. Aber die Aubildung dort konnte nicht all seine Fragen beantworten. Er ging in das Wudang-Gebirge, damals das Zentrum daoistischer Philosophie, Kunst und Übung.

Auf dem Nanshan-Berg lernte er von einem daoistischen Meister seine Philosophie. Später hielt sich Zhang in dem daoistischen Kloster der "Weißen Wolke" auf, wo er daran arbeitete ein eigenes Kampfkunstsystem zu entwickeln.

Zwei verschiedene Legenden beschreiben, wie er zu seinem eigenen Stil inspiriert wurde. Die erste besagt, daß Zhang seine Eingebung im Schlaf erhielt.

Die zweite beschreibt einen Kampf zwischen einer Schlange und einem Vogel. Welcher Vogel es war, ist in den Texten nicht einheitlich. Manchmal wird eine Elster, manchmal ein Kranich beschrieben.

Der Vogel versuchte der Schlange mit kräftigen Schnabelhieben und Fußtritten beizukommen und schützte sich dabei mit kreisenden Flügelbewegungen. Die Schlange wich allen Angriffen geschickt aus, dabei bewegte sie sich kaum und wartete auf eine Blöße des Gegners.

Der Kampf wurde von Zheng San Feng während der Meditation zufällig beobachtet, dabei erinnerte er sich an einen Ausspruch von Laotse: "Ich wage es nicht, anzugreifen und auch nur um einen Zoll vorwärts zu gehen, doch ich weiche um Ellen zurück.

Dies bezeichnet man als Handeln durch Nicht-Tun (Wuwei), als Schlag ohne Kraft." Das brachte ihn auf die Idee, eine Kampfkunst zu entwickeln, die es erlaubt, den Gegner mit minimaler Kraft zu besiegen.

San-Feng machte das Prinzip des Wuwei, "Nichthandelns", zu seiner höchsten Regel und setzte es als Ideal auch in den Kampfkünsten an höchster Stelle.Durch seine daoistischen Studien geprägt, versuchte er dann eine Kampfkunst des Nachgebens und der Sanftheit zu entwickeln.

Er verließ das Kloster und siedelte in eine Höhle am Wudang-Berg in der Provinz Hebei. Dort gründete er die Kampfkunst "Vögel und Schlangen", in der er beide Kampfweisen vereinte.


Er verwendete kreisförmige Bewegungen der Hüfte und des Oberkörpers, geschlossene Blöcke und geschicktes Ausweichen. Weiterhin enthielt seine Schule Schläge mit kräftigem Zurückziehen, sogenannte "Umgekehrte Schläge" und kräftige Tritte.

Zhang erhielt den Beinamen Jumbao und den Ehrennamen Dangchu-Zhenren, "Der wahre Mensch aus der Höhle" (sinngemäß: "Vollkommener Weiser").

Er verbreitete seine Schule stark, so daß sie schon bald in viele Stile zerfiel und man alle Stile unter dem Namen Wudangpai, nach dem Entstehungsort, zusammenfaßte. So entstand die erste (bekannte) weiche Richtung der Kampfkünste.

Später schrieb man ihm dann die Entwicklung des Taijiquan zu, da man es für die höchste Entwicklung seiner Theorien hielt. Heute sind aber an dieser Legende erhebliche Zweifel entstanden.

Vielleicht kann man sagen, daß er durch seine neuen Theorien zumindest den Grundstein zum späteren Taijiquan gelegt hat.

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