Das Shaolin-Kloster

Die wohl bekannteste und umfassendste Strömung der chinesischen Kampfkünste entspringt der Tradition des Shaolin-Klosters.

Im Jahr 495 fand eine kleine Gruppe buddhistischer Mönche Zuflucht vor der Verfolgung durch rivalisierende Feudalherren auf einem Bergmassiv im nördlichen Henan.

Dort bauten sie ein Kloster, dessen Umgebung mit jungen Kiefern bepflanzt wurde, weshalb man es "Shaolin" (Junger Wald) nannte.

Schon kurz nach der Entstehung wurden dort Kampfkünste geübt. 523 kam der indische Mönch Bodhidharma in das Shaolin-Kloster und führte gymnastische Übungen zur Gesunderhaltung (Yijinjing) ein, die die Kampfkünste wesentlich bereichert haben.

Ihm schreibt man die Gründung des Shaolin-Kampfkunst-Systems zu.

Bodhidharma flocht die Lehren des Chan (Zen) stark in die Traditionen der Künste ein und das Shaolin-Kloster wurde schon bald berühmt wegen der besonderen Fähigkeiten der Mönche.

Das buddhistische Chan und der Daoismus begannen sich bald gegenseitig zu beeinflussen, denn ihre Lehren hatten viele Gemeinsamkeiten, und beide kannten ein großes Potential an esoterischen Praktiken.

Teile der chinesischen daoistischen Lehre wurden zusammen mit ihren Chi Gong-Übungen in das sich heranbildende Chan des Shaolin-Quanfa übernommen und dort weiterentwickelt.

In China sagt man auch, Chan sei die chinesische Weise, den Buddhismus zu betrachten und besteht aus einer Verbindung der besten Inhalte des Buddhismus mit dem Daoismus.

Das Kloster entwickelte sich zu dem größten Kampfkunstzentrum in China, von dem alle wesentlichen Strömungen ausgingen. In den Blütezeiten lebten über 1000 Mönche dort und mehr als 500 Kampfkunstmeister erforschten gemeinsam ihre Künste.

So ist es verständlich, daß bei so einer Ballung von großen Potentialen die Forschung der Kampfkünste dort enorme Fortschritte machte.

Fast alle chinesischen Kampfkünste leiten sich direkt oder über Umwege von der Shaolin-Tradition ab und auch die "Weichen Kampfkünste" sind stark von ihnen beeinflußt worden.

Viele kampfkunstübergreifende Systeme wie das Qinna und die Vitalpunktstimulation (Dianxue) wurden dort entwickelt und sind

heute auch im Taijiquan zu finden. Das Kloster wurde 1673 und nach dem Wiederaufbau 1928 zerstört. 1957 wurde es wieder aufgebaut und heute gibt es einige alte Meister, die versuchen die Tradition fortzusetzen.

Doch in erster Linie ist das Shaolin-Kloster heute eine Touristen-Attraktion, die entsprechend kommerziell geführt wird. Das Erlernen traditioneller Kampfkunst ist dort heute kaum noch möglich.

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