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Trotz der großen Vielfalt von Methoden und Formen der Kampfkunst, die alle ihre eigenen Charakteristika, Erfordernisse und Ziele haben, basieren sämtliche Kampfkunstübungen auf gleichen Prinzipien. Die wichtigsten Aspekte dieser gemeinsamen Grundlagen lassen sich in fünf Punkten zusammenfassen:
Oberflächlich betrachtet erscheint es leicht, diese drei Forderungen zu verstehen und während des Übens zu beherzigen. In der Praxis stellt es sich jedoch schnell heraus, daß es gar nicht so leicht ist, das richtige Verständnis für Entspannung, Ruhe und Natürlichkeit zu entwickeln und diesen Anforderungen während des Übens nachzukommen.
Es gibt zwei Arten der natürlichen Regulation und Korrektur der Körperhaltung:
Bei der ersten Art vollzieht sich keine Änderung der äußeren Gestalt, aber der Übende spürt z.B. ein Entspannen der Schulter und empfindet dabei, daß die Schulter nach unten sinkt. Eine solche Empfindung kann in verschiedenen Körperteilen auftreten. Oder der Übende spürt auf einmal nicht mehr, daß er den Bauch leicht einzieht und die Brust etwas zurücknimmt, obwohl er rein äußerlich weiterhin diesen Anforderungen der Standhaltung nachkommt.
Oder der Übende spürt einen Drang, der ihn zum Begradigen der Wirbelsäule zwingt, aber dies verursacht keine äußerlich wahrnehmbare Veränderung. Wenn der Übende gerade bemerkt, daß sich günstige Veränderungen in ihm anbahnen und er diese Veränderungen zu unterdrücken versucht und dadurch die inneren Bewegungen in gewisser Weise einschränkt, widerspricht dies deutlich der Forderung nach „Natürlichkeit“.
Wir müssen lernen, die Tendenz zu einer Entwicklung zu erkennen, den günstigen Zeitpunkt nicht verstreichen zu lassen und dem Drang zu einer Entwicklung auf natürliche Weise nachzugeben. Wenn sich in der Körperhaltung, der Atmung oder unsere Vorstellungskraft eine Wandlung anbahnt oder schon stattgefunden hat, soll man diesen Veränderungen nichts in den Weg stellen.
Die zweite Art der Regulation und Korrektur läßt sich auch äußerlich am Körper wahrnehmen: Es ist zu bedenken, daß körperliches Gleichgewicht und Ausgeglichenheit in der Haltung nicht Absolutes sind, sondern ein dynamischer Prozeß. Wenn man zum Beispiel eine gewisse Körperhaltung eingenommen hat ( z.B. Rücken gerade, Kopf aufrecht, Blick in die Ferne, Oberkörper wie ein Lot.....) und in dieser Haltung eine Zeitlang übt (3 - 5 Minuten oder länger), spürt man den Drang zu einer Veränderung nach links, rechts, vorne oder hinten. Dies ist das Anzeichen für eine notwendige Ausgleichsbewegung. Oft bedarf es nur einer sehr kleinen Korrektur. Nach einer weiteren Weile des Übens wird aufgrund der korrigierten Körperhaltung eine neue Veränderung auftauchen usw. Es tritt also im Laufe der Übung eine Sequenz von Veränderungen und Bewegungen auf, die sich mit Zeiten der Ruhe abwechselt. Es können innere oder äußere Veränderungen oder auch innere und äußere Bewegungen sein. Aufgrund dieser Korrekturen kristallisieren sich die eigenen Übungsregeln heraus.
Wie kann man erreichen,
nach dem Kriterium der Natürlichkeit zu Üben ?
Ich meine, daß man Entspannung und geistige Ruhe praktizieren muß, denn nur in geistiger Ruhe, d.h. mit einem klaren Bewußtsein kann man die inneren Bewegungstendenzen wahrnehmen und ihnen folgen, so wie es der Natur entspricht. In einem Kurs üben alle Teilnehmer nach den gleichen Anweisungen und Regeln. Dies ist auch notwendig, denn ohne das Prinzip einer Übung verstanden zu haben, kann man keine individuelle Anpassung entwickeln.
Wenn später jeder für sich alleine übt, ergeben sich kleine Unterschiede zur gelehrten Form, und diese Unterschiede sind wertvoll und erlaubt. Denn wenn man alle Übenden in eine Form zwingen wollte, so würde man so handeln als wenn man den Fuß stutzt damit er in den Schuh paßt. Wenn man die kleinen Variationen nicht zuläßt, wird man sich auf Dauer unbehaglich fühlen und Widerwillen gegen die Übung entwickeln, weil man gegen seine Natur übt.
Um die notwendigen kleinen Korrekturen zu erkennen, muß man sehr aufmerksam üben und die kleinen Veränderungen im Empfinden beachten. Bei den Korrekturen werden wir erfahren, daß kleine Änderungen in der Haltung eine Große Änderung im Gefühl hervorrufen, während große Veränderungen der Körperhaltung nur kleine Veränderungen im Empfinden bewirken. Die Gesetze der Natur wahrzunehmen und ihnen zu folgen ist das wichtigste Prinzip der Übungen der Kampfkunst.
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Hin und wieder ist es auch sehr nützlich zu alten Übungen zurückzukehren, um durch das inzwischen erworbene neue Wissen Neues in ihnen zu entdecken.
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